Quelle: Riesengebirgsheimat – Heimatblatt für den ehemaligen Kreis Hohenelbe – Jahrgang 1951

Die Geschichte der Peterbaude

von Josef Spindler

Wie alle alten Riesengebirgsbauden war auch die Peterbaude ursprünglich eine "Sommerbaude". Im Frühsommer, wenn das Vieh aus den Talorten auf die Gebirgsweiden des Kammgebietes getrieben wurde, zog erst Leben in diese primitiven Holzhütten, und wenn die Herbststürme den frühen Riesengebirgswinter ankündigten, wurden Fenster und Türen wieder zugenagelt, und bald deckte meterhoher Schnee die verlassene Baude. Nur ganz selten kamen damals "Fremde" in diese einsamen Kammregionen; hie und da tauchte ein Kräuter- oder Edelsteinsucher auf, noch seltener unternahm ein ganz Waghalsiger eine romantische Gebirgswanderung, die einer Expedition in unerforschte Gebiete glich. Ein Heulager in diesen Sommerbauden diente dann als willkommene Nächtigungsmöglichkeit. Butter, Käse und Milch wurden mehr oder weniger gern mit diesen "Narrischen" geteilt, die von den Baudenleuten – wie alles Unbekannte – mit Misstrauen betrachtet, andererseits aber als willkommene Abwechslung in der Einsamkeit des Bergsommers begrüßt wurden. Der Winter jedoch sah weder Baudenleute noch seltene Fremde in diesen Höhen. Höchstens die Fährte eines Bären oder Fuchses zeichnete die glitzernde Reinheit der weißen Hochflächen.

In der Mitte des Riesengebirgskammes, am Südosthang der Mädellehne, lag in 1300 Meter Höhe knapp über der Waldgrenze so eine Sommeralm. Weit reichte der Blick von hier oben: im Norden über das Hirschberger Tal hinweg bis zum Zobten bei Breslau und im Süden über die von Ziegenrücken und Goldhöhe flankierten Sieben Gründe, dann der Elbe entlang bis in die böhmische Tiefebene. Hart an der Landesgrenze stand die Baude; nur ein paar Schritte und man war drüben "am Blunn", in Schlesien. Diese Sommeralm gehörte dem alteingesessenen Riesengebirgsgeschlecht der Pittermann. Nach diesen "Pieterleut´n" wurde sie "Pieterbaud" genannt. Im Dialekt hat sich diese Bezeichnung bis heute erhalten, im Schriftdeutsch entstand daraus "Peterbaude".

Als Ignaz Pittermann kinderlos starb, übernahm sein Schwestersohn Johann Zinecker diese Gebirgsbaude. Die Zinecker stammen aus einem Bergbauerngeschlecht, das in den Alpenländern beheimatet ist. In der Reformationszeit wanderte der Stammvater des Riesengebirgszweiges aus der Steiermark aus und kam mit dem Berghauptmann von Gendorff ins Riesengebirge, wo er eine neue Heimat fand. Als älteste handschriftliche Urkunde ist in den Bergbüchern der Gräflich Czerninschen Herrschaft Hohenelbe aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges eingetragen, dass ein Elias Zinecker "Grund erworben und sein Haus am Schlesischen Steig selbst erbauet" hat. Wo dieser Schlesische Steig gelegen ist, darüber sind sich die Gelehrten nicht einig; von einigen wird er in die Mitte, von einigen in den Osten des Riesengebirges verlegt. Soviel steht jedenfalls fest, dass der Urahn Elias sein Haus nicht unten im Tal errichtete, sondern wieder ins Gebirge hinaufging. Wie seine Vorväter brauchte er den freien Blick von den Höhen und nahm dafür gern Abgeschiedenheit und ein härteres Leben in Kauf.

Vielleicht hat der Entschluss, auch den Winter über oben auf der Peterbaude zu bleiben, die gleiche blutbedingte Ursache gehabt. Leicht muss er nicht gewesen sein, bedeutete das doch, durch lange fünf Monate ohne fremde Hilfe, ohne jede Verbindung mit der Außenwelt den harten Winter zu überdauern. Der Ski war damals im Riesengebirge noch unbekannt, und er wäre das einzige Verkehrsmittel durch die weglosen Schneemassen gewesen.

Jedenfalls wurde in den Jahren nach 1800 aus der Sommerbaude ein winterfestes Haus gemacht: der Stall in Bruchsteinmauerwerk, Stube und Kammer in Blockbau aus mühsam hinaufgetragenen starken Fichtenstämmen, den Heuboden – die "Binn" – deckte ein spitzes Schindeldach, das schützend über die "Brück", den terrassenartigen Vorbau, ragte; kurz, die für Riesengbirgsbauden früher typische Bauweise. 1811 ist ein denkwürdiges Jahr in der Geschichte der Peterbaude. Von da ab blieb Mensch und Vieh Sommer wie Winter oben im Gebirge. Jetzt war die Baude nie mehr verwaist.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lebten die Bewohner der Bauden noch recht und schlecht von der Viehwirtschaft, denn auch damals gehörten "Reisen durch das Riesengebirge" noch zu beschwerlichen Unternehmungen. Nächtigung und Beköstigung war nach Urteilen der zeitgenössischen Literatur sehr primitiv. Mancher "Gast" mag auf harter Bank oder dürftigem Heulager den Morgen herbeigesehnt haben, um dann mit müden Gliedern und möglicherweise knurrendem Magen weiterzuwandern. Trotz allem kamen aber Gebirgswanderungen immer mehr in Mode, und bald übernachteten im Sommer fast täglich Fremde in den wenigen Bauden, in denen sich dabei langsam die Umstellung auf das Gastgewerbe zwangsläufig vollzog. Neben Käse und Brot waren nach und nach auch andere Speisen erhältlich; bald machte die österreichische Küche von sich reden, und statt Milch konnte man jetzt auch Landwein oder gar einen Tokaier erhalten.

Um den ständigen Klagen über die dürftige Schlafgelegenheit abzuhelfen, wurden 1866 in der Peterbaude die ersten Fremdenzimmer gebaut. Auch da mussten Baumaterial und Einrichtungsgegenstände noch mühsam hinaufgetragen werden, denn Fahrwege gab es noch nicht.

Noch 1866 wurde eine Telegraphenagentur auf der Baude eingerichtet. Jahr um Jahr gab es Verbesserungen. Küche und Keller boten eine reiche Auswahl; immer zahlreicher kamen Gäste aus nah und fern, um einen gemütlichen Baudenabend oben am Kamm zu verleben. Bald reichten weder Gaststube noch Übernachtungsmöglichkeiten aus, und so wurde in den Jahren 1886 bis 1888 neben der alten Baude ein neues Haus errichtet, das einen großen Gastraum, dreißig Fremdenzimmer und Wirtschaftsräume enthielt.

In den neunziger Jahren begann auch der Winterverkehr. Rodel- und vor allem Hörnerschlittenpartien zählten bald zu beliebten Wintervergnügungen. Oft kamen ganze Schlittenkolonnen, von Pferden gezogen, von der schlesischen Seite aus herauf; während die Gesellschaft in der Baude zu Mittag aß, wurden die Pferde nach Spindelmühle geführt, die Hörnerschlitten fuhren mit Führer und Gast hinterher. Die Pferde zogen die unten anlangenden Schlitten wieder zur Peterbaude hinauf, und von dort wurde dann die zweite Abfahrt, zurück nach Agnetendorf / Hermsdorf, unternommen. Von Winter"sport" konnte man also dabei kaum sprechen; aber langsam erschloss sich die Rauhreifpracht der Kammregion auch dem Nichtgebirgler. Den Wunsch, das winterliche Gebirge abseits der gebahnten Wege zu durchstreifen, erfüllte jedoch erst der Skilauf, der im Riesengebirge Ende des vorigen Jahrhunderts Eingang fand. Die ersten Skipioniere wurden natürlich nicht sehr ernst genommen. Doch bald erkannte man den Wert dieses Geräts als reines Fortbewegungsmittel, und so standen schon vor der Jahrhundertwende in der Peterbaude die ersten langen Bretter, aus Norwegen importiert.

Der Winterverkehr brachte es mit sich, dass nunmehr auch heizbare Fremdenzimmer benötigt wurden. Die Baude war sowieso schon wieder zu klein geworden; so ließ Vinzenz Zinecker 1901 das ältere Haus abtragen und dafür einen Neubau errichten, in dem neben Stallungen, Heuboden und Wirtschaftsräumen – aus denen die alte Baude bestanden hatte – im ersten und zweiten Stock Fremdenzimmer mit Ofenheizung untergebracht waren. Beide Häuser wurden durch eine Halle verbunden, und diese Grundform der Baude ist trotz aller späteren Zu- und Umbauten bis zuletzt erhalten geblieben. Architektonisch glücklich war diese Lösung gerade nicht, und die für die Peterbaude charakteristischen flachen Dächer waren alles andere als bodenständige Bauweise. Ein letzter Umbau, der diesen Schönheitsfehler beseitigen wollte, ist ein Traum geblieben, den Krieg und Vertreibung zerschlagen haben.

In den nächsten Jahren wurde eine eigene, etwa einen Kilometer lange Hochquellwasserleitung gelegt, eine Lichtanlage für Gasbeleuchtung eingeführt und, da der Wintersport immer mehr zunahm, in beide Häuser Zentralheizung eingebaut. 1908 wurde zusätzlich zu der bereits vorhandenen Telegraphenagentur in der Baude eine öffentliche Fernsprechstelle und das österreichische "Postamt Peterbaude" eröffnet, ein Unikum insofern, als die Zustellung sowohl von österreichischer wie von reichsdeutscher Seite aus erfolgte. Es bestand auch eine direkte Telephonverbindung in das Reich, so dass bis etwa 1930 Gespräche von Spindelmühle oder Hohenelbe nach Deutschland vom Postamt Peterbaude vermittelt wurden.

Als Vinzenz Zinecker 1913 starb, war sein arbeitsreiches, mühevolles Leben von Erfolg gekrönt. Allen Neuerungen zugängig, war er stets auf das Wohl seiner Gäste bedacht gewesen und hatte aus einer kleinen Baude einen großen, bekannten und beliebten Berggasthof gemacht. Als man ihn aus seiner Peterbaude hinaustrug und ihm die Förster aller Gebirgsreviere von hüben und drüben in der Halle ein letztes Halali bliesen, geleitete ihn manch langjähriger Gast hinunter, zum Spindelmühler Friedhof. Mit ihm wurde ein Mann zur letzten Ruhe gebettet, der nicht nur an der Erschließung des Riesengebirges für den Fremdenverkehr ausschlaggebend beteiligt war, sondern der auch wie nur wenige das Gebirge bis in die verborgensten. Winkel gekannt und bei jedem Wetter durchstreift hatte.

Während des ersten Weltkrieges war nur wenig Fremdenverkehr. In dieser Zeit leitete die Witwe Anna Zinecker die Baude, denn zwei Söhne standen an der Front, zwei gingen noch zur Schule. Es waren harte Jahre mit vielen Sorgen. Nur zwei alte Pferde waren für Transportzwecke belassen worden, und nicht einmal für diese war genug Hafer da. Es mangelte überall an Arbeitskräften. Es gab zu wenig und schlechte Lebensmittel; es gab viel Kriegsanleihe und wenig Bargeld.

Der Kriegsschluss 1918 bescherte der Peterbaude die erste tschechische Besatzung. Die neuerstandene Tschechoslowakei schickte als Sendboten ihrer Kultur und Sprache russische Legionäre, die die Grenzbewachung durchführen sollten, was sie hin und wieder durch wilde Schießereien sich selbst bewiesen. Sonst waren sie ziemlich harmlos; der zwiegeschwänzte Löwe wuste noch nicht mit seinen scharfen Krallen umzugehen. Später hat er es dafür um so gründlicher gelernt.

Der bittere Kelch einer Enteignung, alles grenznahen Besitzes ging noch einmal vorüber; diese wurde nur beim Großgrundbesitz durchgeführt. Um jedoch auch äußerlich das Besitzrecht an "naše krkonoše" zu dokumentieren, mussten von jetzt ab alle Aufschriften womöglich nur tschechisch, zumindest aber zweisprachig sein. Tschechisch sprechendes Personal wurde ebenso verlangt wie tschechische Wegweiser. Trotz aller Propaganda und trotz staatlich gelenktem Fremdenverkehr blieb aber der tschechische Anteil am Gesamtverkehr immer nur gering und überschritt in der Peterbaude im Jahresdurchschnitt nie sechs Prozent. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass das Hauptziel der tschechischen Gäste die tschechischen Bauden waren, die zum Teil neu errichtet wurden, zum Teil aus enteignetem Besitz des Grafen Harrach stammten. Doch selbst diese Bauden konnten sich nur als steuerbegünstigte Zuschussbetriebe des Staates halten, der andererseits – vor allem unter dem Beneš-Regime – versuchte, mit Steuerschikanen und ähnlichen Mitteln die wirtschaftliche Rentabilität der großen sudetendeutschen Bauden zu untergraben, um sich auf kaltem Weg in deren Besitz zu setzen. Dieser Kleinkrieg um deutschen Boden ist nur Grenzlanddeutschen verständlich und wurde von der Masse der reichsdeutschen Besucher nicht erkannt, die durch ihr Verhalten oft die Absichten des Gegners unterstützten. Dies führte nach 1935 fast zum Boykott von beiden Seiten: Viele Tschechen mieden die Peterbaude, weil sie sudetendeutsche Besitzer hatte, viele Reichsdeutsche, weil sie in völliger Verkennung des völkischen Gedankens an der staatlich erzwungenen Zweisprachigkeit Anstoß nahmen, wenn sie nicht gar Bauden auf tschechischem Gebiet "grundsätzlich" nicht betraten. Dass sie damit den tschechischen Bestrebungen Vorschub leisteten und in gar nicht so langer Zeit Baude um Baude in volksfremde Hände übergegangen wäre, lag außerhalb des Horizontes dieser Hundertfünfzigprozentigen.

In der zwanzigjährigen Zeitspanne von 1918 bis 1938 vollzog sich diese Zuspitzung der Verhältnisse nur ganz allmählich und ging Hand in Hand mit der Verschlechterung der allgemeinen politischen Lage, die immer deutlicher zu einer Entscheidung drängte.

Jedenfalls trat zunächst – nachdem die Geburtswehen und Kinderkrankheiten der neu errichteten ČSR. überstanden waren – auch in den Grenzgebieten wieder Ruhe ein. Der Fremdenverkehr nahm sogar sehr rasch einen neuen Aufschwung, besonders als der Kammweg, der ja abwechselnd über reichsdeutsches und tschechoslowakisches Gebiet führte, zu einem internationalen Weg erklärt wurde, der von Angehörigen beider Staaten ohne besondere Grenzausweise begangen werden durfte. So war Anfang der zwanziger Jahre die Peterbaude im Sommer wieder fast täglich vollbesetzt.

Mancher Gast jener Zeit wird noch an die "Lampenparade" erinnern. Da der Grundstoff zur Gasbereitung noch nicht wieder zu haben war, erfolgte die Beleuchtung durch kleine Tisch-Petroleumlampen. Wenn es dunkelte, trugen Kellner und Hausdiener "in rollendem Einsatz" diese Lampen auf die einzelnen Tische der Gaststuben, und der Zitherspieler intonierte einen Marsch dazu. Noch in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre wurde aber dann elektrisches Licht eingeführt. Gemeinsam mit der Adolf- und Spindlerbaude wurde im Roten Floß ein Elektrizitätswerk gebaut, das die drei großen Kammbauden der Mitte mit Licht versorgen sollte. Die Länge der Freileitungen betrug über zehn Kilometer, die letzte Wegstrecke war als Kabel verlegt. Bald zeigte sich jedoch, dass die Wasserkraft nicht ausreichte, um den ungewöhnlich hohen Strombedarf zu decken; oft mussten damals die Petroleumlampen einspringen, wenn das elektrische Licht immer schwächer und schwächer wurde. Als das E-Werk Spindelmühle an Parschnitz angeschlossen wurde, übernahm diese Überlandzentrale auch gleichzeitig das E-Werk im Roten Floß.

Die Inflation brachte einen gewaltigen Rückschlag im Fremdenverkehr und große finanzielle Verluste. Die Einnahmen bestanden fast ausschließlich aus Reichsmark, und bis diese zur Umwechslung im nächsten 25 Kilometer entfernten Bankinstitut waren, betrug ihr Wert nur mehr Bruchteile. Erst mit der Stabilisierung traten normale Verhältnisse ein, und langsam konnte sich die Baude wieder erholen.

Obwohl die Unterhaltskosten der eigenen Volkswirtschaft kaum durch den Milchertrag gedeckt wurden, standen aus alter Tradition immer noch 16 bis 18 Kühe im Stall. Mindestens vier Pferde waren für Transportzwecke nötig. Um nun diesen Wirtschaftsbetrieb gänzlich vom Gastbetrieb zu trennen, wurde neben den beiden bereits bestehenden Bauden ein drittes Haus errichtet. Damit wurden die von 1925 bis 1929 dauernden großen Um- und Zubauten eingeleitet. Dieses Wirtschaftsgebäude enthielt neben Heuboden, Remise, Kuh- und Pferdestall nur Personalwohnungen. Die Verbindung zu den Hauptgebäuden wurde durch eine Halle hergestellt, die im Winter als Ablage für Sportgeräte diente. Die eine Baude wurde innen gänzlich umgebaut und enthielt nur mehr gut ausgestattete Fremdenzimmer und Bäder. Insgesamt standen jetzt für Gäste 64 Zimmer mit 100 Betten zur Verfügung. Die Inneneinrichtung der Gaststuben selbst wurde auch gänzlich umgestaltet und neue Gasträume angebaut, wobei sich alter Baudenstil mit modernen Anforderungen geschmackvoll paarte. Alle in Betracht kommenden technischen Neuerungen wurden eingebaut; es gab eine elektrische Kühlanlage mit Kühlräumen, Kühlschränken und Eismaschine, eine elektrische Großwäscherei mit Bügelmaschine, eine elektrische Geschirrspülmaschine, eine Lautsprecheranlage, um nur das Wichtigste zu nennen. Ein Verkaufsraum für Sportausrüstungen usw. war ebenso vorhanden wie ein Friseursalon, und in einer Haustischlerei konnten alle anfallenden Reparaturen ausgeführt werden. Wenn auch durch moderne Verkehrsmittel und den Bau der Spindlerpassstraße die Verbindung mit den Talorten eine sehr große Erleichterung gegenüber früher erfahren hatte, war es doch nötig, auf so vielen Gebieten wie nur möglich autark zu sein.

Dass ein derartiger Betrieb einen großen, dabei aber gut eingespielten Bedienungsapparat zur Voraussetzung hat, ist selbstverständlich. In der Saison waren bis zu 50 Angestellte nötig, deren überwiegende Mehrzahl der Peterbaude jahre- und jahrzehntelang die Treue hielt. Und ebenso hatte sich ein Stamm von Wohngästen gebildet, so dass in den Hauptverkehrszeiten Zimmer nur dann zur Verfügung standen, wenn ein oder der andere Stammgast am Kommen verhindert war. Vor allem hatte der Winterverkehr einen ungeahnten Aufschwung genommen und dem Sommer den Rang weit abgelaufen. Zwei Skilehrer hatten mehr als genug zu tun, um ihre Schützlinge in die Kunst des weißen Sports einzuführen oder sie darin zu vervollkommnen.

Schon 1932 machte sich dann ein leichter Rückgang bemerkbar; die Folgen von Devisenbestimmungen, Ein- und Ausreiseschwierigkeiten, politischer Verhetzung, Befestigungsbauten mit Sperrgebieten usw. traten von Jahr zu Jahr immer mehr in Erscheinung, um schließlich, wie bereits erwähnt, beinahe den gesamten Verkehr lahmzulegen.

Als die Tschechen auf Grund ihrer Teilmobilmachung im Mai 1938 die Grenze sperrten, war der Kamm leergefegt, und den ganzen Sommer über sah man nur wenig Gäste. Der Herbst brachte dann die zweite Grenzbesetzung; die Bewohner der im Vorfeld des Befestigungsgürtels liegenden Sieben Gründe zogen mit ihrem Vieh und wenigen Habseligkeiten hinüber auf die schlesische Seite des Gebirges. Auch die Peterbaude musste damals für drei Tage leer und verlassen stehen – zum erstenmal seit 1811. An einem dieser Tage erbrach plündernde tschechische Gendarmerie und Soldateska die Baude und gab ein kleines Vorspiel zum Inferno des Jahres 1945. Einige Schüsse bewogen den Haufen zu eiligem Abzug. Um eine Wiederholung, vor allem aber eine Brandstiftung wie bei der Wiesenbaude zu verhüten, wurde die Baude wieder belegt und durch Stolperdrähte und Wachtposten bei Tag und Nacht abgesichert, bis dann nach einer Woche der Ungewissheit der Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland erfolgte.

Nur ein knappes Jahr kehrte wieder Ruhe und geregelte Arbeit zurück. Zwar war auch während des zweiten Weltkriegs die Baude geöffnet und der Verkehr recht beachtlich; aber immer drohender zeichnete sich der ungünstige Ausgang des Krieges ab. Als dann im Frühjahr 1945 der Geschützdonner näher und näher rückte, als man das Mündungsfeuer russischer Batterien sah, stand schon die Zukunft unheilschwanger an der Schwelle eines anderen Lebens.

Nach dem Zusammenbruch wurde die Peterbaude zwar vor einem russischen Besuch bewahrt, da der Weg vom Spindlerpass zur Baude noch nicht schneefrei war. Dafür tobten sich die tschechischen Partisanen aus und nahmen mit, was ihnen gefiel. Eine Enttäuschung bereiteten ihnen allerdings die Bestände des Weinkellers, die erheblich zusammengeschmolzen waren, da sie zur Labung zurückflutender deutscher Landser gedient hatten.

Natürlich wurden gleich tschechische Verwalter eingesetzt, und schon am 19. Juni 1945 wurden die letzten Besitzer, die vier Brüder Zinecker, von denen zwei aus dem Krieg noch nicht wieder zurück waren, aus ihrer Peterbaude und von ihrem Heimatboden vertrieben. Binnen einer Stunde musste ein kleines Bündel geschnürt sein, das unterwegs noch mehrmals ausgeplündert wurde. In Viehwagen wurden sie dann aus Sammellagern zusammen mit anderen Leidensgenossen zur Grenze abgeschoben und dort ihrem Schicksal überlassen.


Am 16.02.2011 erreichte uns die Nachricht, dass die Peterbaude in einen ganz erbärmlichen Zustand befindet. Die Besitzerin, eine Pragerfirma, lässt die Baude verkommen. Im tschechischen Internet wurden Bilder vom Zustand der Baude veröffentlicht. Benutzen Sie den Link: http://cestovani.idnes.cz/pamatne-petrove-boude-v-krkonosich-hrozi-pad-kvuli-plisni-a-vandalum-1iy-/igcechy.asp?c=A110217_210701_hradec-zpravy_klu




< Home >     < Vernichtung der Peterbaude >

© Copyright 2007 – 2012, http://spindelmuehle.riesengebirgler.de / www.riesengebirgler.de