Veröffentlicht in der "Schlesischen Bergwacht", Ausgabe September

Brand der Peterbaude

von Karl-Heinz Drescher, Leipzig

Die Peterbaude, eine der schönsten Bauden im Riesengebirge ist am 31.07. / 01.08 2011 abgebrannt 200 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme.

War das Zufall, Rübezahl?

überschrieb eine große Prager Zeitung ein Foto der zerstörten Baude.

Noch in der Juniausgabe der "Schlesischen Bergwacht" schrieb ich unter dem Titel "Die Peterbaude vor dem Abriss?", nach einem warnenden Beitrag des Landschaftsökologen und Riesengebirgsexperte Dr. Pavel Klimeš aus Tschechien (Dunkeltal), es ist "5 vor 12". Nun ist es Gewissheit, es ist nach "12", die Peterbaude existiert nicht mehr.

Hans-Jörg Schmidt, der Korrespondenten der Sächsischen Zeitung in Prag übernahm diese Titelzeile und schrieb nachfolgenden Artikel am 03.08.2011, den mir Heimatfreund Hans Probst, aus früher Krummhübel, zu sandte und den ich ausschnittsweise wiedergebe:

"Dichter Nebel wabert am vergangenen Sonntagabend an der tschechisch-polnischen Grenze, in fast 1300 Metern Höhe, oberhalb von Spindlermühle. Man kann kaum die Hand vor Augen erkennen. Dementsprechend hält sich auch kaum ein Mensch in der einsamen Gegend des Nationalparks Riesengebirge auf, trotz der Urlaubszeit. Niemand bemerkt denn auch, dass sich in dem Nebel Qualmwölkchen mischen. Qualmwölkchen, die aus zwei der drei Holzbauten aufsteigen, die zur Peterbaude gehören.

Als die Feuerwehr am Montagmorgen mit mehreren Löschzügen in dem schwer zugänglichen Gebiet eintrifft, ist es zu spät. Zwei Häuser sind zerstört, das dritte steht zur Hälfte in lodernden Flammen. Zunächst versuchen die Einsatzkräfte hier noch zu löschen, holen dazu auch Wasser aus anderen Bauden und einer Tankstelle heran. Doch als ihnen das brennende Dach entgegenfällt, stellen sie die Löscharbeiten ein und lassen die Reste gezielt herunterbrennen. Nur eine Trafostation, die auch andere Gebäude in der Umgebung versorgt, können sie vor der Zerstörung bewahren. Ansonsten stehen nur noch die Grundmauern, verkohlt und ausgeglüht.

Noch gestern war es am Brandort teilweise so heiß, dass die Feuerwehrleute, die mit Hunden nach Resten von Brandbeschleunigern suchen wollten, abziehen mussten. Die Untersuchung der Ruinen wird Tage dauern. Doch schon am Montag waren die Einsatzkräfte von Brandstiftung ausgegangen.

Interessant ist die Aussage zur Höhe des Schadens. Der Materialschaden geht angesichts des desaströsen Zustands, in dem sich die Baude schon vorher befand, gegen Null. Der historische Schaden ist dagegen überhaupt nicht zu beziffern. Das Riesengebirge ist um eine weitere seiner architektonischen Ikonen ärmer. Unwiederbringlich".

Die Peterbaude, die schon vor 1800 von seinem Gründer Pittermann, ihren Namen bekam, erlebte spätestens nach 1866, als das Gebirgswandern in Mode kam, unter seinen neuen Besitzern Zinecker, eine Blütezeit und entwickelte sich zu einer der beliebtesten und meistbesuchtesten Bergbauden im Riesengebirge.

Diese Zeit endete 1945 als die letzten deutschen Besitzer, vier Zinecker-Söhne, vertrieben werden.

Bei Dr. Pavel Klimeš Dunkeltal liest es sich so:

"Bis dahin waren alle Berghütten umgebaute Bauernhäuser. Die Gäste wohnten dort, wo früher das Heu gelagert wurde. Die Peterbaude war dagegen bereits 1887 nur für Gäste gebaut worden. Sie besaß eine Reihe von einzigartigen Architekturelementen: sei es die Steinverkleidung, das mit Rasen bedeckte flache Dach, hohe Fenster, die einzigartigen Innenräume mit Vitragen, Holzschnitzarbeiten, Plastiken und Bildern. Das Haus war einfach die Nummer Eins im Riesengebirge."

Die Baude geht danach in den Besitz des sozialistischen Gewerkschaftsbundes über und dient als Ferienunterkunft. Investitionen bleiben aus und langsam beginnt der Abstieg. Auch nach der politischen Wende 1989 erfolgt keine Änderung.

In der "Sächsischen Zeitung" lesen wir weiter:

"Auch die neuen Herren nach 1989 haben kein Geld. Dafür wechseln sie ständig. Doch die Baude funktioniert wieder recht und schlecht. Bis vor vier Jahren die aktuellen Besitzer kommen, Prager Unternehmer, die große Pläne haben, aber nicht die entsprechenden Kronen dazu. Ein Jahr darauf schließen sie die Baude. Seither zerfällt sie. Als das Denkmalamt Druck macht, lagern die Besitzer Teile des wertvollen Mobiliars aus. Der Rest geht jetzt in den Flammen unter".

War der Brand nun Zufall oder Absicht?

Das tschechische Radio auf der deutschsprachigen Internetseite, deren Text mir freundlicher Weise von Heimatfreund Andreas Kawaletz zur Verfügung gestellt wurde, berichtet:

"Die Brandursache ist weiter offen. Die denkmalgeschützte Hütte wurde 2008 von der Prager Firma Snowy Chalet gekauft. Seitdem war sie geschlossen und verfiel. Nach Augenzeugenberichten hätten dort Obdachlose übernachtet. Die Firma wurde dafür mehrmals kritisiert und Fachleute warnten vor einem drohenden Einsturz des Gebäudes. Snowy Chalet behauptet, bereits ein Projekt zur Renovierung der Peterbaude ausgearbeitet zu haben. Das aber müsse nun umgewertet werden. Es gibt auch schon Spekulationen, dass der Brand mit Absicht gelegt worden sei, was die Besitzer entschieden zurückweisen. Direkt an der Brandstelle darf nun nämlich ein neues Gebäude gebaut werden, was im Nationalpark sonst nicht möglich ist. Außerdem würde der Bau eines neuen Hotels nicht mehr unter strenger Aufsicht der Denkmalschützer stattfinden, wie es bei der Renovierung der alten Baude der Fall gewesen wäre".

Nach der Zerstörung der Baude gibt es nun eine Diskussion über den Bau eines neuen Gebäudes im Nationalpark. Soll die alte Baude denkmalgerecht wieder aufgebaut werden oder soll ein neues Hotel gebaut werden?

Hans Jörg-Schmidt von der "SZ" beendet seinen Beitrag mit folgender Betrachtung:

"Die Peterbaude war übrigens die achte im Riesengebirge, die seit den 1930er Jahren niederbrannte. Kaum eine ist wiederaufgebaut worden. Und wenn doch, dann aus Stahlbeton. Noch mehr Fremdkörper in dieser einmalig schönen Naturlandschaft gehen nicht".

Radomíra Sedláková vom Institut für Architektur der Prager Technischen Universität sagt dazu dem Tschechischen Rundfunk:

"Ich bin der Meinung, dass dort gar nichts gebaut werden soll. Man jammert allgemein darüber, dass das Naturschutzgebiet Riesengebirge überfüllt ist und dass dort Straßen zu den Berghütten im Zentralteil des Gebirges führen müssen. Man erwägt den Abbruch der Elbbaude. Warum sollte man diese Katastrophe nicht nutzen? Man sollte dort gar nichts bauen und so auch eine Straße abschaffen. Ich würde dies als die ehrlichste Lösung betrachten.


Fotos von der Brandstelle finden Sie auf der Webseite www.riesengebirgler.de unter "Bauden" bzw. hier.

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